Artwork

Der Evangelist Matthäus

Der Evangelist Matthäus, by Unknown, ink, 800
Der Evangelist Matthäus, by Unknown, ink, 800

Der Evangelist Matthäus is an ink painting by the Byzantine icon painting artist Unknown. It dates from 800 and is held in the collection of the Kunsthistorisches Museum. The work, titled “The Evangelist Matthew,” is an ink painting that portrays a seated figure absorbed in reading an open book.

About this work

Überblick

Der Evangelist Matthäus ist eine frühmittelalterliche Buchmalerei, die den Apostel und Evangelisten Matthäus darstellt, entstanden um 800 n.

Der Evangelist Matthäus ist eine frühmittelalterliche Buchmalerei, die den Apostel und Evangelisten Matthäus darstellt, entstanden um 800 n. Chr. Das Werk ist in Tinte und Tempera auf Pergament ausgeführt und misst 32,30 mal 25,10 Zentimeter. Es befindet sich heute in der Sammlung des Kunsthistorischen Museums in Wien. Das Gemälde gehört zu den Wiener Krönungsevangelien, einem der bedeutendsten illuminierten Handschriften der Karolingerzeit, und stellt ein grundlegendes Beispiel frühmittelalterlicher religiöser Kunst in seiner Darstellung eines der vier Evangelisten dar.

Sujet & Bedeutung

Das Gemälde zeigt Matthäus den Apostel, der traditionell als Verfasser des ersten kanonischen Evangeliums und einer der zwölf Jünger Jesu Christi gilt. In der christlichen Ikonographie wird Matthäus durch einen geflügelten Menschen oder Engel symbolisiert, ein Attribut, das von den vier lebenden Wesen in Offenbarung 4,7 abgeleitet ist, welche Irenäus mit der Menschheit Christi in Verbindung brachte. Die sitzende Figur hält in der rechten Hand ein Schreibgerät, während die linke auf einem auf einer schrägen goldenen Lesepult liegenden geöffneten Kodex ruht, was seine Rolle als Evangelist und Aufzeichner des Evangeliums betont. Ein kleines Objekt in der Nähe des Kodex, möglicherweise ein Tintenfass, unterstreicht diese schreiberische Funktion. Der große goldene Heiligenschein, der seinen Kopf umkreist, verkündet seine Heiligkeit, während die hieratische und frontale Präsentation trotz der Dreivierteldrehung des Körpers eher autoritative Würde als narrative Handlung vermittelt. Die Ikonographie vereint somit Matthäus' apostolische Identität mit seiner spezifischen Aufgabe der Evangelienverfassung und präsentiert ihn als heilige Figur und aktiven Schriftsteller zugleich.

Technik & Stil

Die Buchmalerei verwendet eine flache, minimal modellierte Technik, die für frühmittelalterliche Handschriftenmalerei typisch ist. Kräftige Konturen definieren die Formen, mit unvermischten Farbflächen, die auf eine Weise aufgetragen sind, die Klarheit und symbolische Lesbarkeit über naturalistische Illusion stellt. Die Palette zeigt weiße Gewänder mit roten Markierungen, goldene Elemente im Heiligenschein, am Lesepult und der Fußstütze, sowie einen blass lavendelfarbenen Hintergrund mit horizontalen Streifungen. Die Farboberfläche weist altersbedingte Verwitterungsspuren auf, mit Abblätterung und Abnutzung besonders in den Rot- und Weißtönen. Licht wird gleichmäßig ohne starke gerichtete Schatten wiedergegeben, was zur abstrahierten, nichtnaturalistischen Qualität des Werks beiträgt. Die Figur sitzt auf einem gepolst unto sitzt auf einem gepolsterten Sitz mit roten und goldenen Elementen, ihre gesandeten Füße ruhen auf einer gestuften goldenen Fußstütze, alles gerahmt von ornamentalen goldenen und dunklen Bordüren vor einem tiefen Magenta-Umfeld. Dieser dekorative Reichtum und die hierarchische Skalierung der Figur bringen das Werk in Einklang mit der karolingischen Hofkunst und ihrer Wiederbelebung klassischer Formen innerhalb eines christlichen Rahmens.

Geschichte & Provenienz

Das Werk entstand um 800 n. Chr., ein Datum, das es in die Karolingische Renaissance und ihr damit verbundenes Programm der Handschriftenillumination einordnet. Es bildet einen Teil der Wiener Krönungsevangelien, einer Handschrift, die eng mit dem kaiserlichen Krönungsritual verbunden ist. Das Gemälde gelangte in die Sammlung des Kunsthistorischen Museums in Wien, wo es sich heute noch befindet. Die genauen Erwerbungsdetails sind in den verfügbaren Quellen nicht angegeben, doch seine Präsenz in diesem bedeutenden österreichischen Museum spiegelt die historische Konzentration der Habsburger Handschriftensammlungen in Wien wider. Eine Ausstellungshistorie ist in den vorliegenden Quellen nicht verzeichnet.

Nachwirkung

Die Tradition, Matthäus als schreibenden Evangelisten darzustellen, wie sie in Werken wie diesem begründet wurde, übte tiefgreifenden Einfluss auf die nachfolgende europäische Kunst aus. Die ikonographische Formel des sitzenden, mit Heiligenschein versehenen Schreibers mit seinem symbolischen Attribut, dem geflügelten Menschen, hielt sich durch das gesamte Mittelalter und darüber hinaus. Diese frühmittelalterliche Formulierung lieferte die visuelle Grundlage, die spätere Künstler über radikal unterschiedliche stilistische Systeme hinweg neu interpretieren würden. Der Kontrast zwischen der flachen, hieratischen Präsentation dieses Werks und den naturalistischen Darstellungen desselben Sujets durch Caravaggio in seinem Zyklus der Contarelli-Kapelle von 1602 illustriert sowohl die Langlebigkeit der Evangelistenporträt-Tradition als auch die transformatorischen Möglichkeiten künstlerischer Erneuerung innerhalb dieser. Caravaggios Matthäus, in bescheidener zeitgenössischer Kleidung mit nackten Füßen und rauem Schreibtisch gezeigt, unterlief bewusst die erhabene, goldene Welt des mittelalterlichen Prototyps, während er dessen wesentliches Sujet beibehielt. Die Wiener Krönungsevangelien-Malerei steht somit als Maßstab, an dem spätere Neuinterpretationen des Matthäus gemessen werden können, ihre Nachwirkung liegt in der bleibenden Kraft ihrer ikonographischen Klarheit und ihrer Rolle bei der Etablierung eines der persistentesten visuellen Typen der christlichen Kunst.

Sfinții apostoli Pavel și Matei
Sfinții apostoli Pavel și Matei, anonim

Artist & collection

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