Artwork

Die Rennen in Longchamp

Die Rennen in Longchamp, by Édouard Manet, oil, 1866
Die Rennen in Longchamp, by Édouard Manet, oil, 1866

Die Rennen in Longchamp is an oil painting by the Realist artist Édouard Manet. It dates from 1866 and is held in the collection of the Art Institute of Chicago.

About this work

Thema und Bedeutung

Das Werk spiegelt die Moderne des Pariser Freizeitvergnügens wider, bei dem das Rennen als Vorwand für gesellschaftliche Zusammenkünfte der Elite diente.

Die Rennen in Longchamp zeigt den Abschluss des Grand Prix de Paris von 1864 auf der Hippodrome de Longchamp in Paris. Die Szene erfasst den kulturellen Aufstieg des Pferderennsports in Frankreich, einer Aktivität, die unter britischem Einfluss stand und während des Zweiten Kaiserreichs unter der Bourgeoisie populär wurde. Anstatt das für dieses Genre typische Seitenprofil zu zeigen, stellt Manet sechs Pferde dar, die direkt auf den Betrachter zustürmen und so ein beispielloses Gefühl von Unmittelbarkeit und Geschwindigkeit erzeugen. Diese frontale Perspektive platziert den Beobachter auf der Rennbahn, umgeben von einer Staubwolke und der frenetischen Energie des Ereignisses. Die Komposition flacht die Tiefenschärfe bewusst ab und ähnelt einer teleskopischen Fotografie, um die explosive Bewegung der Tiere zu betonen. Das Werk spiegelt die Moderne des Pariser Freizeitvergnügens wider, bei dem das Rennen als Vorwand für gesellschaftliche Zusammenkünfte der Elite diente.

Technik und Stil

Die Rennen in Longchamp ist ein Ölgemälde auf Leinwand mit einer Höhe von 44 cm und einer Breite von 84 cm. Dieses relativ kleine, querformatige Format hat einige Wissenschaftler zu der Annahme veranlasst, es könnte als Studie für eine größere, nicht realisierte Komposition konzipiert worden sein. Manets Malweise ist locker und abgekürzt; große Teile der Szene sind nur leicht skizziert und bewusst unscharf gehalten, was die Empfindung von Geschwindigkeit und Bewegung verstärkt. Die Pinselstriche verweilen auf den ziehenden Wolken am Himmel und der Staubwolke, die von den galoppierenden Pferden aufgewirbelt wird, und unterstreichen so die dynamische Energie des Gemäldes. Stilistisch ist das Werk eng mit dem Impressionismus verbunden. Sein radikalstes formales Mittel ist der frontale Blickwinkel: Die sechs Pferde stürmen direkt auf den Betrachter zu, anstatt im Profil gezeigt zu werden, eine in der Pferderennmalerei beispiellose Entscheidung. Manet komprimiert die räumliche Tiefe weiter, indem er den Betrachter direkt auf die Rennbahn stellt, wobei das Geländer in die untere linke Ecke hineinreicht und einen teleskopartigen Effekt erzeugt, der mit einer Zoomobjektiv-Fotografie vergleichbar ist.

Geschichte und Provenienz

Manet plante bereits 1863 eine große Komposition zum Thema Pferderennen, doch von diesem ersten Projekt haben sich nur eine Aquarellstudie und zwei Porträts von Zuschauern erhalten. Die Rennen in Longchamp, ein kleineres Ölgemälde auf Leinwand, entstand 1866 oder 1867 und könnte selbst als Studie für eine größere, nicht realisierte Leinwand konzipiert worden sein. Es zeigt den zweiten Lauf des Grand Prix de Paris auf der Hippodrome de Longchamp, der am 5. Juni 1864 stattfand und dem Manet unter den Zuschauern beiwohnte.

Die dokumentierte Besitzkette des Gemäldes beginnt 1877, als Manet es wahrscheinlich an den britischen Komponisten Frederick Delius für 1.000 französische Franc verkaufte. Bis 1895 gelangte es zum Händler Paul Durand-Ruel, der es 1896 an den Chicagoer Immobilienmagnaten Potter Palmer verkaufte. Nach Palmers Tod im Jahr 1902 verblieb das Werk in Familienbesitz, bis es 1922 dem Art Institute of Chicago vermacht wurde, wo es sich bis heute befindet.

Die Rennen in Longchamp gehört zur ständigen Sammlung des Art Institute of Chicago. Das Werk gelangte 1922 in den Besitz des Museums, nachdem es von Potter Palmer, einem Chicagoer Immobilienmagnaten, der es 1896 erworben hatte, vermacht worden war. Zuvor war das Gemälde durch die Hände des britischen Komponisten Frederick Delius gegangen, der es wahrscheinlich 1877 vom Künstler gekauft hatte, sowie des Händlers Paul Durand-Ruel im Jahr 1895. Während die vorliegenden Quellen diese spezifische Provenienzkette detailliert beschreiben, listen sie keine eindeutige Inventar- oder Zugangsnummer für das Stück auf, noch verzeichnen sie spezifische Ausstellungsgeschichten oder Daten, zu denen das Werk öffentlich gezeigt wurde.

Kontext

Die Rennen in Longchamp (1866) gilt als Schlüsselwerk in der Entwicklung des Impressionismus aufgrund seiner beispiellosen frontal Darstellung von Pferden, die direkt auf den Betrachter zustürmen. Kunsthistorikerinnen Juliet Wilson-Bareau und Françoise Cachin stellen fest, dass Manet die Tiefe manipulierte, um einen abgeflachten, teleobjektivartigen Effekt zu erzeugen, der die Tiere aus dem Hintergrund hervorschießen lässt. Diese kompositorische Innovation unterscheidet das Gemälde von früheren equestrianischen Kunstwerken, die typischerweise Seitenprofile verwendeten. Das Werk spiegelt den breiteren kulturellen Wandel in Frankreich während des Zweiten Kaiserreichs wider, bei dem der unter britischem Einfluss stehende Aufstieg des Pferderennsports zu einer zentralen gesellschaftlichen Aktivität der Bourgeoisie wurde. Obwohl Manet eine größere Komposition zu diesem Thema plante, die nie realisiert wurde, dient diese Leinwand als bedeutende Studie des modernen Lebens. Ihre dynamische, skizzenhafte Ausführung und der Fokus auf zeitgenössische Freizeitaktivitäten verknüpfen sie mit den Werken von Edgar Degas und festigen ihren Status als wichtigen Beitrag zur Gattung der modernen Genremalerei.

Nachwirkung

Die Rennen in Longchamp ist für ihre beispiellose Komposition bekannt, da es das erste Gemälde ist, das Pferde zeigt, die direkt auf den Betrachter zustürmen, anstatt von der Seite. Diese frontale Perspektive erzeugt ein dynamisches Gefühl von Unmittelbarkeit und platziert den Beobachter direkt auf der Rennbahn. Kunsthistoriker schreiben den innovativen Status des Werkes seiner Manipulation der Tiefe zu, die einem teleskopischen fotografischen Effekt ähnelt, der Hintergrund und Vordergrund komprimiert.

Das Gemälde wird auch für seine stilistische Verwandtschaft mit Edgar Degas gewürdigt, da beide Künstler versuchten, das moderne Leben und die frenetische Energie der Rennbahn einzufangen. Obwohl das Werk wahrscheinlich als Studie für ein größeres, nicht realisiertes Meisterwerk konzipiert wurde, vermitteln sein kleines Format und die verschwommenen Details erfolgreich die Empfindung von Geschwindigkeit und Staub. Diese formalen Innovationen etablierten das Stück als bedeutenden Vorläufer impressionistischer Techniken in der Darstellung von Bewegung.

At the Races
At the Races, Édouard Manet

Artist & collection

Portrait of Édouard Manet

Artist

Édouard Manet

Édouard Manet was a French modernist painter. He was one of the first 19th-century artists to paint modern life, as well as a pivotal figure in the transition from Realism to Impressionism.