Artwork
Madonna Casini

Madonna Casini is a tempera painting by the High Renaissance artist Masaccio. It is held in the collection of the Uffizi Gallery.
About this work
Überblick
Das Gemälde befindet sich derzeit in der Uffizi-Galerie in Florenz, wo es seit 1988 Teil der Sammlung ist.
Die Madonna Casini, auch als Madonna del Solletico bekannt, ist ein kleines religiöses Gemälde des italienischen Renaissancekünstlers Masaccio, datiert auf 1426 oder 1426-1427. Ausgeführt in Tempera und Blattgold auf Holz, misst das Werk 24,50 mal 18,20 Zentimeter. Es zeigt die Jungfrau Maria, die das Jesuskind vor einem flachen Goldgrund hält. Das Gemälde befindet sich derzeit in der Uffizi-Galerie in Florenz, wo es seit 1988 Teil der Sammlung ist. Das Panel ist ein wichtiges Beispiel für private Andachtskunst der frühen Renaissance, bemerkenswert für seine innovative Raumkonstruktion und seine intime, unkonventionelle Ikonografie, die hieratische Tradition mit naturalistischer Beobachtung verbindet.
Motiv und Bedeutung
Das Gemälde präsentiert eine unkonventionelle Darstellung von Madonna und Kind. Die Jungfrau hält das gewickelte Jesuskind und hebt zwei Finger ihrer rechten Hand, eine Geste des Segens, die sich in eine vertraute, spielerische Aktion verwandelt, vielleicht das Kitzeln des Kindes unter dem Kinn. Dies veranlasst das Jesuskind, mit seinen kleinen Händen das Handgelenk seiner Mutter zu ergreifen. Trotz der lebhaften Reaktion des Kindes bleibt Marias Gesicht ernst und hält an der traditionellen Ikonografie fest, die ihr die Vorahnung des tragischen Schicksals Christi unterstellte. Das Jesuskind trägt einen roten Korallenanhänger, ein uraltes apotropäisches Amulett, das das Böse abwehren sollte. Im christlichen Kontext symbolisierte die rote Koralle auch das Blut Christi, verwies auf die Kreuzigung und unterstrich die doppelte menschliche und göttliche Natur des Kindes. Die ineinander verschlungenen Heiligenscheine und die spezifischen Gesten betonen sowohl die intime körperliche Verbindung als auch die Last des zukünftigen Opfers.
Technik und Stil
Masaccio trug Tempera auf einem Panel mit Goldgrund auf und verwendete eine Palette aus tiefem Blau, Zinnoberrot, cremeweiß und umfangreichem Blattgold. Die Oberfläche zeigt feine Risse und weist glatte, präzise Pinselstriche auf, die einen polierten, emailleartigen Finish ergeben. Während der unmodulierte Goldgrund und die flachen, fein geritzten Heiligenscheine einen mittelalterlichen Charakter bewahren, ist die Konstruktion der Figuren höchst innovativ. Die Gruppe ist um drei Viertel gedreht und von der Mitte versetzt, was einen Eindruck von Bewegung durch den Raum vermittelt. Kein vorheriges Werk zeigt eine derart ausgeprägte Drehung der Schultern, was der Komposition einen beispiellosen Naturalismus verleiht. Natürliches Licht fällt von links, wirft weiche Schatten und lässt Teile der Gesichter im Schatten, eine Abkehr von der gleichmäßigen, traditionellen Ausleuchtung. Die linke Hand der Jungfrau, die das Gewicht des Kindes trägt, ist breit skizziert, aber höchst expressiv. Ihr dunkelblauer Mantel weist einen goldgeränderten Saum mit pseudo-kufischen Schriftzeichen auf, die dem Volumen ihres Körpers folgen und den Eindruck skulpturaler Masse verstärken. Die Detailfülle, die sich von der Essenzialität der Brancacci-Kapelle unterscheidet, passt zum kleinen Format und lädt zur nahen Betrachtung ein.
Geschichte und Provenienz
Das Panel wurde mit ziemlicher Sicherheit für private Andacht von Antonio Casini, einem sienesischen Kardinal, Juristen und Kanonisten, in Auftrag gegeben. Sein Wappen, begleitet von einer Kardinalsmütze, ist auf der Rückseite gemalt, was darauf hindeutet, dass das Werk auf oder kurz nach seiner Ernennung zum Kardinal am 26. Mai 1426 datiert. Casini wählte Masaccio wahrscheinlich, nachdem der Maler Masolino nach Ungarn abgereist war. Die frühe Geschichte des Gemäldes bleibt unbekannt. Es wurde 1947 von Rodolfo Siviero entdeckt, der es unter den von den Deutschen während des Zweiten Weltkriegs geraubten Meisterwerken wiederfand. Später, während es in der Sammlung Loeser im Palazzo Vecchio ausgestellt war, wurde das Panel 1971 gestohlen. Siviero fand es zwei Jahre später, 1973, erneut wieder. Das Gemälde gelangte 1988 in die Sammlung der Uffizi-Galerie.
Kontext
Die Zuschreibung der Madonna Casini an Masaccio wurde erstmals 1950 von Roberto Longhi vorgeschlagen, der das Werk stilistisch mit Masaccios Desco da parto verband, einem weiteren privaten Auftrag mit einem ähnlich plumpen und lebendigen Kind. Obwohl einige Gelehrte diese Zuschreibung zunächst bestritten, sicherte die Veröffentlichung von Franco Bertis Masaccio-Katalog im Jahr 1954 ihre breite Akzeptanz. Das Gemälde spiegelt das Milieu seines Auftraggebers, des gebildeten Kardinals Casini, wider, der mit Humanisten und Persönlichkeiten wie Branda Castiglione verbunden war. Die ungewöhnliche Ikonografie, die ein Vorbild in Andrea Pisanos Lunette auf Giotto's Campanile hatte, war im Kontext privater Andacht zulässig, wo konventionelle Beschränkungen gelockert waren. Das Werk steht als ein Schlüsselmonument im Oeuvre Masaccios und verbindet die mittelalterliche Goldgrundtradition mit den revolutionären räumlichen und volumetrischen Entwicklungen der frühen italienischen Renaissance.
Artist & collection


















