Artwork

Augustus Listening to the Reading of the Aeneid

Augustus Listening to the Reading of the Aeneid, by Jean Auguste Dominique Ingres, oil, 1812
Augustus Listening to the Reading of the Aeneid, by Jean Auguste Dominique Ingres, oil, 1812

Augustus Listening to the Reading of the Aeneid is an oil painting by the Neoclassicist artist Jean Auguste Dominique Ingres. It dates from 1812 and is held in the collection of the Royal Museums of Fine Arts of Belgium.

About this work

Sujet und Bedeutung

Der narrative Höhepunkt tritt ein, als der Text den frühen Tod des Marcellus enthüllt, des Neffen und potenziellen Erben des Kaisers Augustus.

Das Gemälde zeigt den Moment, in dem der Dichter Virgil der kaiserlichen Familie eine Passage aus der Aeneis vorträgt, konkret die Szene, in der Aeneas die zukünftigen Seelen Roms in der Unterwelt erblickt. Der narrative Höhepunkt tritt ein, als der Text den frühen Tod des Marcellus enthüllt, des Neffen und potenziellen Erben des Kaisers Augustus. Bei der Verkündung dieser Verse bricht Octavia, die Mutter des Marcellus und Schwester des Augustus, in den Armen ihres Bruders zusammen, während ihre Schwägerin Livia ihren Schock zu verbergen sucht, da Gerüchte besagten, sie habe den Tod des Knaben inszeniert, um die Thronfolge ihres eigenen Sohnes Tiberius zu sichern. Die Komposition umfasst Zuschauer wie Maecenas und Agrippa, die den emotionalen Zusammenbruch mitverfolgen. Ingres nutzt pompejanische Dekorelemente und Bezüge zur klassischen Skulptur, um die Antike des Ereignisses zu evozieren und die tragische Verflechtung von persönlichem Schmerz und politischem Schicksal zu betonen.

Technik und Stil

Das Gemälde ist in Öl auf Leinwand ausgeführt und folgt der neoklassizistischen Tradition von Jean-Auguste-Dominique Ingres. Die größere Fassung misst 302 cm in der Höhe und 325 cm in der Breite, während eine zweite, in Brüssel aufbewahrte Version mit 138 cm mal 142 cm deutlich kleiner ist. Stilistisch sind die Figuren mit einer statischen, skulpturalen Qualität gestaltet, sie erscheinen als idealisierte Statuen eher als als dynamische Akteure. Die Komposition bedient sich einer ausgeprägten Farbstrategie, indem sie die kalten, harten Blau-, Gelb- und Grüntöne auf einer Seite mit den warmen, weichen Rot- und Rosatönen auf der anderen kontrastiert. Diese Primär- und Sekundärfarben werden in kontrollierter Weise ohne Hintergrundkulisse aufgetragen. Das Werk erfuhr spätere Eingriffe, da einer von Ingres' Schülern, vermutlich ein Mitglied der Familie Balze, die Leinwand unter Aufsicht des Meisters retuschierte, bevor es schließlich dem Musée des Augustins in Toulouse gestiftet wurde.

Geschichte und Provenienz

Das Werk wurde 1812 von General Sextius Alexandre François de Miollis, dem damaligen französischen Gouverneur von Rom, für sein Schlafzimmer in der Villa Aldobrandini in Auftrag gegeben; sein Sujet spiegelt Miollis' Enthusiasmus für Virgils Aeneis wider. Nach Miollis' Besitz ging das Gemälde an Francesco Borghese über, bevor Ingres es 1835 zurückkaufte und nach Paris brachte. Ingres übergab später die Retusche einem seiner Schüler, vermutlich Paul oder Raymond Balze, unter seiner Aufsicht.

Ingres stiftete das Gemälde dem Musée des Augustins in Toulouse, wo es 1868 in die Sammlung aufgenommen wurde und von Pierre-Auguste Pichon, einem weiteren seiner Schüler, restauriert wurde.

Jean-Auguste-Dominique Ingres schuf zwei verschiedene Fassungen dieses Sujets, die jeweils in einer anderen öffentlichen Sammlung aufbewahrt werden. Die größere Komposition, betitelt Virgilio lee la Eneida a Livia, Octavia y Augusto, befindet sich im Musée des Augustins in Toulouse, Frankreich, wo sie die Inventarnummer RO 124 trägt. Dieses Werk gelangte 1868 nach der Stiftung des Künstlers in das Museum. Eine zweite, kleinere Version mit den Maßen 138 mal 142 cm wird von den Königlichen Museen der Schönen Künste in Brüssel aufbewahrt, speziell im Oldmasters Museum. Diese belgische Variante wurde vom Museum nach einer Auktion nach Ingres' Tod 1867 erworben.

Kontext

Die kritische Rezeption von Ingres' Augustus Listening to the Reading of the Aeneid betont dessen neoklassizistische Strenge und mythologische Schwere und ordnet es innerhalb der akademischen Tradition ein, während es zugleich romantische Ausdrucksformen vorwegnimmt. Die Forschung hebt das Engagement des Werks mit der augusteischen Ideologie hervor, insbesondere die eindringliche Darstellung von Octavias Ohnmacht als narrativem Mittel, das den Bericht des Sueton und Virgils Aeneis (6,883) widerspiegelt, wo der vorzeitige Tod des Marcellus die kaiserliche Nachfolge prägt. Die formalen Qualitäten des Gemäldes, seine krassen Farbkontraste, idealisierte Nacktheit und archäologische Präzision in Gewändern und Mobiliar, wurden von Zeitgenossen wie Amaury-Duval beobachtet, der es in Ingres' Atelier sah, und später von Daniel Ternois, der es mit einer größeren, geplanten Dekoration für den Quirinalpalast in Verbindung brachte. Die Provenienz spiegelt eine komplexe Wanderung wider: 1812 von General Miollis in Auftrag gegeben, von Borghese erworben, von Ingres zurückgeholt und schließlich 1868 dem Musée des Augustins in Toulouse gestiftet, wo es von Pichon restauriert wurde. Diese Version, die sich von der kleineren Brüsseler Studie (138 x 142 cm) unterscheidet, war wahrscheinlich Teil eines geplanten deco schemes für die napoleonische Ära und unterstreicht Ingres' Rolle als Brücke zwischen Neoklassizismus und aufkommenden romantischen Sensibilitäten durch historische Narration.

Virgil Reading the "Aeneid" to Augustus, Octavia, and Livia
Virgil Reading the "Aeneid" to Augustus, Octavia, and Livia, Jean-Baptiste Wicar

Artist & collection

Portrait of Jean Auguste Dominique Ingres

Artist

Jean Auguste Dominique Ingres

Jean-Auguste-Dominique Ingres was a French Neoclassical painter. Ingres was profoundly influenced by past artistic traditions and aspired to become the guardian of academic orthodoxy against the ascendant Romantic…