Artwork

Die Verleugnung des Petrus

Die Verleugnung des Petrus, by Hendrick ter Brugghen, oil, 1628
Die Verleugnung des Petrus, by Hendrick ter Brugghen, oil, 1628

Die Verleugnung des Petrus is an oil painting by the Caravaggisti artist Hendrick ter Brugghen. It dates from 1628 and is held in the collection of the Art Institute of Chicago.

About this work

Überblick

Die Verleugnung des Petrus ist ein Ölgemälde auf Leinwand des niederländischen Caravaggisten Hendrick ter Brugghen aus dem Jahr 1628, das sich heute in der Sammlung des Art Institute of Chicago befindet. Mit den Maßen 132,3 mal 178 Zentimeter stellt dieses religiöse Werk die biblische Episode dar, in der Petrus dreimal seine Verbindung zu Christus leugnet, bevor der Hahn kräht. Gemalt in den letzten Jahren von ter Brugghens Leben, markiert es eine bedeutende Entwicklung in seinem künstlerischen Ansatz, gekennzeichnet durch eine gesteigerte dramatische Beleuchtung und ein ausgeprägteres, barockes Empfinden als in seinen früheren Kompositionen. Das Gemälde zeichnet sich durch eine raffinierte Synthese italienischer Chiaroscuro-Technik mit nordischen ikonografischen Traditionen sowie durch eine komplexe Raumkonstruktion aus, die den Betrachter unmittelbar mit der Szene von Petrus' moralischem Versagen verbindet.

Thema und Bedeutung

Die Komposition ist um ein kleines Feuer im unteren Zentrum strukturiert, dessen Flammen und Funken aufsteigen, um die nächtliche Szene zu erhellen.

Das Gemälde illustriert die Verleugnung Petri, wie sie im Lukasevangelium 22:55-57 erzählt wird, wo eine Magd Petrus am Feuer erkennt und ihn als Anhänger Christi anklagt. Die Komposition ist um ein kleines Feuer im unteren Zentrum strukturiert, dessen Flammen und Funken aufsteigen, um die nächtliche Szene zu erhellen. Rechts lehnt sich die Magd mit ausgestrecktem Arm und zeigendem Zeigefinger nach vorne; ihr weißes Kopftuch und ihre Bluse fangen das Feuerlicht ein, während sie die sitzende Figur Petrus links konfrontiert. Petrus, in einer metallenen Brustplatte über einem gelbgrünen Hemd gekleidet, blickt mit auf einem steinernen Sims ruhenden Händen nach oben zu seiner Anklägerin; seine Haltung deutet eine defensive Zurückhaltung an. Links von Petrus fasst ein älterer, bärtiger Mann im Schatten seine Hände nahe an der Brust, während ganz rechts eine jüngere Figur mit gesenktem Kopf in der Hand, in einen dunklen Umhang mit roter Innenfütterung gehüllt, sitzt und vielleicht bereits die Konsequenzen der Verleugnung ahnt. Im oberen rechten Hintergrund spähen zwei weitere Figuren hinter einer Struktur hervor, eine davon mit roter Mütze, in einer sekundären Szene, die die Verhaftung Christi darstellt. Eine Figur in dieser Hintergrundszene starrt den Betrachter direkt an und verwickelt ihn so in Petrus' Akt der Verleugnung. Dieses Mittel geht auf Albrecht Dürers Kleine Passion: Pilatus wäscht seine Hände von 1512 zurück, wo eine ähnliche Figur dieselbe Funktion erfüllt. Die Palette aus Brauntönen, Schwarzen und warmen Gelbtönen, dominiert vom Schein des Feuers, unterstreicht die nächtliche Szenerie und die moralische Dunkelheit von Petrus' Verrat.

Technik und Stil

Das Gemälde ist in Öl auf Leinwand ausgeführt, einem Träger, der ter Brugghen die Flexibilität bot, in einem beträchtlichen Format von 132,3 mal 178 Zentimetern zu arbeiten. Die Technik zeigt ein starkes Chiaroscuro, bei dem Gesichter, Hände und Stoffe gegen tiefe Schatten beleuchtet werden, was eine dem Thema angemessene dramatische Spannung erzeugt. Die Pinselführung zeigt eine glatte, verblendete Behandlung auf den Hautpartien, die im Kontrast zu einer strukturierteren Behandlung von Feuer und Stoffen steht; diese Differenzierung lenkt die Aufmerksamkeit des Betrachters auf das menschliche Drama. Die Komposition demonstriert ter Brugghens reife Stilphase, die die englische Wikipedia-Quelle als deutliche Abkehr von seinen früheren Werken charakterisiert, hervorgerufen durch die Betonung des Lichtspiels, die barocke Qualität und das ausgereifte Empfinden. Die Sparsamkeit der Komposition eliminiert das traditionelle Motiv der zwei schlafenden Wachen und konzentriert sich stattdessen auf die psychologische Konfrontation zwischen Anklägerin und Angeklagtem. Der Soldat, der sich auf seine Hände stützt, vielleicht im Begriff aufzustehen, bezieht sich auf eine halb liegende Figur im linken Vordergrund von Caravaggios Die Märtyrer des Heiligen Matthäus in der Kapelle Contarelli in Rom, die im Juli 1600 installiert wurde und die ter Brugghen während seines dokumentierten Aufenthalts in Rom bis April 1607 gekannt haben könnte. Der zweite Soldat rechts leitet sich von der Auferstehung Christi in Dürers Kleiner Passion ab. Der anklagende Arm der Magd findet sein engstes Gegenstück in einem Fragment einer Verleugnung in Stourhead, während das weibliche Modell in Das Konzert und Mädchen, das auf ein brennendes Holzstück bläst, von etwa 1626-1627 wiederkehrt, was ter Brugghens Wiederverwendung effektiver Modelle und Posen in mehreren Werken nahelegt.

Geschichte und Provenienz

Die Verleugnung des Petrus ist auf 1628 datiert und fällt somit in die letzten drei Jahre von ter Brugghens Leben; er starb 1629. Ein verwandtes Werk, Die Befreiung Petri im Staatlichen Museum Schwerin, ist signiert und auf 1629 datiert, und die starken stilistischen Ähnlichkeiten zwischen den beiden Gemälden deuten darauf hin, dass die Verleugnung derselben späten Phase angehört. Die Provenienz des Gemäldes lässt sich bis zur Sammlung von Reedtz-Thott auf Schloss Guanø bei Næstved in Dänemark um 1750 zurückverfolgen. Es war mindestens ab 1914 im Besitz von Baron Kjeld Thor Tage Otto Reedtz-Thott (1839-1923), dem 2. Baron von Guanø, und ging auf Baron Axel Reedtz-Thott über, der es Ende der 1960er-Jahre an einen Londoner Händler verkaufte. Bis 1968 befand es sich bei Wildenstein & Co. in New York und wurde im Februar 1969 vom Art Institute of Chicago aus der Sammlung von Charles H. und Mary F. S. Worcester erworben. Das Gemälde ist nun Teil der ständigen Sammlung des Art Institute of Chicago.

Kontext

Hendrick ter Brugghen war eine zentrale Figur unter den niederländischen Caravaggisti, den nordischen Malern, die im frühen siebzehnten Jahrhundert die Innovationen Caravaggios aufnahmen und transformierten. Sein dokumentierter Aufenthalt in Rom bis April 1607 brachte ihn in direkten Kontakt mit Caravaggios revolutionären Werken, darunter Die Märtyrer des Heiligen Matthäus in der Kapelle Contarelli. Die Verleugnung des Petrus zeigt, wie ter Brugghen Jahrzehnte nach seinem Italienaufenthalt weiterhin caravaggieske Prinzipien verfolgte und dabei einen eindeutig persönlichen und reifen Stil entwickelte. Die kritische Bedeutung des Gemäldes liegt in seiner Synthese italienischer dramatischer Beleuchtung mit nordischen kompositorischen und ikonografischen Traditionen, insbesondere der expliziten Schuld gegenüber Albrecht Dürers Serie der Kleinen Passion. Die barocken Qualitäten des Werks, seine Betonung des Lichtspiels und sein ausgereiftes Empfinden unterscheiden es von ter Brugghens früheren Produktionen und ordnen es den breiteren Entwicklungen in der europäischen Malerei der späten 1620er-Jahre ein. Das Gemälde steht auch in Beziehung zu zwei weiteren Versionen des Themas, die ter Brugghen zugeschrieben werden: eine in der Shipley Art Gallery in Gateshead, England, die Dürers Komposition direkt und umgekehrt übernimmt, sowie eine nahezu identische Version im Nationalmuseum Lublin in Polen. Diese mehreren Versionen deuten auf die Faszination hin, die das Thema für ter Brugghens Vorstellungskraft und möglicherweise für seine Klientel hatte. Die Wiederverwendung des weiblichen Modells in Das Konzert und Mädchen, das auf ein brennendes Holzstück bläst, deutet auf eine Werkstattpraxis hin, bei der effektive Modelle in verschiedenen Kompositionen eingesetzt wurden.

Nachwirkung

Die Verleugnung des Petrus nimmt eine bedeutende Position im Œuvre von Hendrick ter Brugghen ein, da sie seinen reifen Stil und sein anhaltendes Engagement für caravaggieske Prinzipien gegen Ende seiner Karriere demonstriert. Der Erwerb des Gemäldes durch das Art Institute of Chicago im Jahr 1969 sicherte seinen Platz in einer bedeutenden amerikanischen öffentlichen Sammlung und gewährleistete seine Zugänglichkeit für wissenschaftliche Studien und die öffentliche Wertschätzung. Das Werk hat zum Verständnis der niederländischen Caravaggisti beigetragen, die nicht als bloße Imitatoren italienischer Vorlagen, sondern als Künstler gelten, die nordische und südeuropäische Traditionen zu eigenständigen persönlichen Stilen synthetisierten. Die expliziten Verbindungen zwischen ter Brugghens Komposition und Dürers Kleiner Passion haben die Forschung zur Persistenz und Transformation von Renaissance-Druckvorlagen in der barocken Malerei geprägt. Der Wert des Gemäldes liegt auch in der Dokumentation von ter Brugghens Arbeitsmethoden, einschließlich seiner Wiederverwendung von Modellen und seiner Übernahme von Figuren sowohl aus Caravaggios als auch aus Dürers Werk. Die beiden verwandten Versionen in Gateshead und Lublin regen weiterhin Diskussionen über Zuschreibung, Werkstattpraxis und den Markt für religiöse Themen in der Niederländischen Republik an. Als spätes Werk eines Künstlers, der 1929 im Alter von etwa vierzig Jahren starb, repräsentiert Die Verleugnung des Petrus das unrealisierte Potenzial einer unterbrochenen Karriere und demonstriert gleichzeitig die volle Entfaltung von ter Brugghens künstlerischer Reife.

Denial of Saint Peter
Denial of Saint Peter, Dirck van Baburen

Artist & collection

Portrait of Hendrick ter Brugghen

Artist

Hendrick ter Brugghen

Hendrick Jansz ter Brugghen (or Terbrugghen; 1588 – 1 November 1629) was a Dutch painter of genre scenes and religious subjects.