Artwork

Self-Portrait with his first Wife at the Clavichord

Self-Portrait with his first Wife at the Clavichord, by Johann Heinrich Tischbein, oil, 1756
Self-Portrait with his first Wife at the Clavichord, by Johann Heinrich Tischbein, oil, 1756

Self-Portrait with his first Wife at the Clavichord is an oil painting by the Rococo painting artist Johann Heinrich Tischbein. It dates from 1756 and is held in the collection of the Gemäldegalerie Berlin.

About this work

Überblick

Selbstbildnis mit seiner ersten Frau am Clavichord ist ein Ölgemälde auf Leinwand des deutschen Künstlers Johann Heinrich Tischbein der Ältere (1722-1789), ausgeführt im Jahr 1756. Mit den Maßen 48 mal 34 Zentimetern zeigt dieses intime Doppelporträt den frisch verheirateten Künstler und seine erste Frau, Marie Sophie Robert (1726-1759), in einer häuslichen Innenansicht. Das Werk befindet sich in der Gemäldegalerie Berlin (Inventarnummer 1697) und stellt ein bedeutendes Beispiel der deutschen Porträtmalerei der Mitte des achtzehnten Jahrhunderts dar, das persönliche Erzählung mit professioneller Selbstdarstellung verbindet. Seine kleine Formatgröße und detaillierte Beobachtung heben es innerhalb des Tischbeinschen Werkes hervor und bieten Einblick in das Leben eines Hofmalers, der kürzlich sowohl berufliche Anerkennung als auch eheliches Glück erlangt hatte.

Sujet & Bedeutung

Das Gemälde zeigt Marie Sophie am Clavichord sitzend, die Hände auf den Tasten, gekleidet in ein hellblaues Kleid mit weißer Spießtuch und Haube.

Das Gemälde zeigt Marie Sophie am Clavichord sitzend, die Hände auf den Tasten, gekleidet in ein hellblaues Kleid mit weißer Spießtuch und Haube. Hinter ihr steht Tischbein selbst, eine Malerpalette und einen Pinsel haltend, an einem Malstock gelehnt. Zu seiner Rechten steht auf einer Staffelei eine große Leinwand mit einer teilweise ausgeführten Figur. Die Szene spielt sich in einem dunklen Interieur mit schwarzen Wänden und gefliestem Boden ab, wo im Vordergrund ein kleiner schwarzer Hund steht und links auf einem Stuhl eine weiße Katze sitzt. Nahe dem Fenster hängt ein Vogelkäfig mit einem Gimpel, und auf dem Instrument liegt Notenpapier. Warmes Licht fällt von links ein, beleuchtet die Figuren und erzeugt tiefe Schatten. Die Komposition balanciert die Schwesterkünste Malerei und Musik aus, wobei Gelehrte darüber streiten, ob dies em lesser begriffliche Vorstellungen früherer Jahrhunderte verkörpert oder einfach den unverfälschten narrativen Genuss eines wohlhabenden hessischen Bürgers widerspiegelt. Das Bild im Bild zeigt Vorzeichnungen für Menelaus im Kampf mit Paris, eine mythologische Szene, die Tischbein 1757 vollendete; die kaum sichtbare Umrißlinie der Venus, die Menelaus rettet, wurde als Anspielung auf das Glück des jungen Paares gedeutet.

Technik & Stil

In Öl auf Leinwand ausgeführt, zeigt das Gemälde eine zurückhaltende Farbintensität, aufgebaut aus Brauntönen, Blau, Weiß und gedämpften Grüntönen. Die Farboberfläche weist durchgehend feine Craquelé auf. Der Hintergrund besteht aus brauner Tapete mit geschablonierter blauer Ornamentik. Kompositorisch erreicht das Werk eine bemerkenswerte Balance, wobei die Figuren so angeordnet sind, dass Harmonie zwischen häuslicher und professioneller Sphäre entsteht. Die Lichtführung demonstriert Tischbeins Ausbildung in der akademischen französischen Malerei und seine Begegnung mit venezianischen Einflüssen, insbesondere dem Werk Pietro Longhis, das er wahrscheinlich während seines Italienaufenthalts zwischen 1748 und 1751 kennengelernt hatte. Das warme, von links einfallende Licht, das die Figuren modelliert und tiefe Schatten erzeugt, spiegelt die Porträttraditionen Rigauds und Largillierres wider, deren Werke Tischbein in Paris unter Carle Vanloo studierte. Das überdimensionale Vorarbeit auf der Staffelei, unverhältnismäßig groß im Vergleich zur fertigen Komposition, die es darstellt, gewährleistet seine Erkennbarkeit innerhalb des beengten Raums des Berliner Bildes.

Kontext

Johann Heinrich Tischbein der Ältere entstammte einer großen Künstlerfamilie. Mit vierzehn Jahren bei dem Tapetenmaler Zimmermann in Kassel in die Lehre gegeben, erhielt er eine Förderung des Grafen von Stadion für eine Studienreise nach Paris, wo er die Werkstatt Carle Vanloos betrat. Von 1748 bis 1751 reiste er in Italien und schloß sich in Venedig mit Piazzetta an. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland Ende 1751 wurde er Hofmaler des Landgrafen Wilhelm VIII. von Hessen-Kassel, eine Ernennung, die formell am 14. April 1753 erfolgte. 1762 wurde er Professor für Malerei am Collegium Carolinum. Das Selbstbildnis gehört zu einer Periode of beruflicher Konsolidierung und persönlichen Glücks, entstanden kurz nach seiner Heirat und während seiner Amtszeit als Hofmaler. Der Bildtypus des Künstlers, der bei der Arbeit durch häusliche oder musikalische Gesellschaft unterbrochen wird, mag von Pietro Longhi inspiriert worden sein, dessen Genreszenen Tischbein wahrscheinlich in Venedig begegnet war. Die wissenschaftliche Aufmerksamkeit, insbesondere durch Rainer Michaelis für die Publikation der Gemäldegalerie Berlin 200 Masterpieces of European Painting von 2019, hat die vielschichtigen Bedeutungen des Werkes und seinen Platz innerhalb von Tischbeins sich entwickelnder Karriere untersucht.

Nachleben

Das Gemälde nimmt eine bedeutende Position im Werk Tischbeins als sein erstes Selbstbildnis mit seiner ersten Frau ein und etabliert ein Modell, zu dem er zurückkehren würde. Sein Einfluß erstreckt sich über die Radierung, die er 1756 nach ihm anfertigte und die die Komposition weiter verbreitete. Das Werk hat als Maßstab für das Verständnis der Schnittstelle von beruflicher Identität und häuslicher Intimität in der deutschen Kunst des achtzehnten Jahrhunderts gedient. Die Existenz einer späteren Variante, die früher in der Familie des Künstlers war und 2017 verkauft wurde, bezeugt die anhaltende Resonanz der Komposition für Tischbein selbst und nachfolgende Sammler. Als Dokument der Selbstdarstellung eines hessischen Hofmalers im Moment seines Aufstiegs zu Wohlstand und Status bietet das Gemälde der Kunstgeschichte eine nuancierte Fallstudie darüber, wie Künstler der Periode zwischen persönlicher Erzählung und professioneller Ambition vermittelten. Seine Konservierung in der Gemäldegalerie Berlin gewährleistet seine Zugänglichkeit für die laufende Forschung zur deutschen Porträtmalerei und zum kulturellen Leben der Epoche.

Familiegroep bij een klavecimbel
Familiegroep bij een klavecimbel, Unknown

Artist & collection

This work is in the public domain (CC0). Image source: Gemäldegalerie Berlin open access. Spotted an error in this record? Tell us.