Artwork
Venus mit Amor, der Honig stiehlt

Venus mit Amor, der Honig stiehlt is a paint painting by the Northern Renaissance artist Lucas Cranach the Elder. It dates from 1537 and is held in the collection of the Gemäldegalerie Berlin.
About this work
Übersicht
Venus mit Amor, der Honig stiehlt, ist ein mythologisches Gemälde von Lucas Cranach dem Älteren, datiert auf 1537 und aufbewahrt in der Gemäldegalerie Berlin.
Venus mit Amor, der Honig stiehlt, ist ein mythologisches Gemälde von Lucas Cranach dem Älteren, datiert auf 1537 und aufbewahrt in der Gemäldegalerie Berlin. Das Werk, ausgeführt in Öl auf einer Lindenholztafel mit den Maßen 174,5 mal 65,5 Zentimeter, zählt zu zahlreichen Versionen dieses Sujets, die Cranach und seine Werkstatt ab etwa 1525 schufen. Das Gemälde zeugt von der Auseinandersetzung des Künstlers mit der klassischen Literatur sowie von seinem charakteristischen Umgang mit dem weiblichen Akt im Kontext der deutschen Renaissance. Es bleibt ein bedeutendes Werk für das Verständnis von Cranachs mythologischem Œuvre, seines reformationszeitlichen Umfelds und der breiteren europäischen Rezeption antiker poetischer Quellen.
Motiv und Bedeutung
Die Szene geht auf die neunzehnte Idylle des griechischen Dichters Theokrit zurück, betitelt Keriokleptes (Der Honigdieb), verfasst um das dritte Jahrhundert v. Chr. Das Gemälde zeigt Venus, die Göttin der Liebe, nackt stehend, mit einem durchsichtigen Schleier, der um ihre Hüften gewickelt und über die Schultern drapiert ist, während ihr Sohn Amor, ein kleiner geflügelter Knabe mit goldenen Flügeln und lockigem Haar, eine Wabe hält und nach oben greift. Mehrere Bienen schweben in der Nähe des Kindes und verweisen auf die Erzählung, in der Amor beim Honigstehlen gestochen wird und sich bei seiner Mutter über den Schmerz beschwert. Venus erwidert, dass so kleine Wesen durchaus großes Leid zufügen können, genau wie Amors eigene Pfeile jene verwunden, die von der Liebe getroffen werden. Die kurze Lust der Liebe, so impliziert sie, sei mit scharfem Schmerz vermischt. Eine lateinische Inschrift in goldener Schrift über dem oberen Teil der Tafel unterstreicht diese moralisierende Deutung: "DVM PVER ALVEOLO FURATUR MELLA CUPIDO / FVRANTI DIGITVM SEDVLA PVNXIT APIS / SIC ETIAM NOBIS BREVIS EST PERITVRA VOLVPTAS / QUAE PETIMVS; TRISTI MIXTA DOLORE NOCET" (Als Amor den Honig aus dem Bienenstock stahl / Stich eine fleißige Biene den Dieb am Finger / So suchen auch wir vergängliche und gefährliche Freuden / Die mit Trauer vermischt sind und uns Schmerz bringen). Diese Inschrift verwandelt Theokrits spielerische Erzählung in eine Warnung vor der Wollust und ihren zerstörerischen Folgen und spiegelt die moralisierende Tendenz von Cranachs Behandlung mythologischer Sujets wider.
Technik und Stil
Das Gemälde ist in Öl auf einer Lindenholztafel ausgeführt, wobei die Trägerplatte gemäß der überarbeiteten Bewertung der Gemäldegalerie aus dem Jahr 2010 die Maße 174 mal 64,9 Zentimeter aufweist. Die Oberfläche zeigt durchgängig feine Risse und einen glänzenden, präzisen Finish. Cranach modelliert die Haut mit glatten, blassen Tönen und subtilen Übergängen, während der Schleier mit besonderer Aufmerksamkeit für seine Transparenz behandelt ist. Die Figuren stehen auf einer flachen, erdtonigen Fläche mit kieselartiger Textur vor einem gleichmäßig dunklen, fast schwarzen Hintergrund. Die Komposition ist bemerkenswert hoch und schmal, wobei die langgestreckte Figur der Venus das vertikale Format dominiert. Das Insignium des Künstlers, eine geflügelte Schlange mit gesenkten Flügeln, befindet sich oben links. Die Ausführung demonstriert Cranachs charakteristische Verbindung von minutiöser anatomischer Detailgenauigkeit mit einer gewissen stilisierten Eleganz, insbesondere in der Darstellung der weiblichen Form. Die zurückhaltende Farbpalette, dominiert von blassen Hauttönen, dem dunklen Hintergrund und der goldenen Schrift, erzeugt einen auffälligen visuellen Kontrast, der die Aufmerksamkeit auf die moralische Botschaft und die sinnliche Präsenz der Figuren lenkt.
Geschichte und Provenienz
Die Gemäldegalerie Berlin datiert diese spezifische Tafel auf nach 1537, obwohl die breitere Serie der Varianten um 1525 begann. Das Gemälde trägt oben links das Insignium des Künstlers, eine geflügelte Schlange mit gesenkten Flügeln. Auf der Rückseite der Tafel befindet sich eine spätere Inschrift in schwarzer Farbe mit den Worten "Lucas / krannick / No 13", sowie Kreidemarkierungen "M 81" und "B123". Das Werk trägt Etiketten der Staatlichen Museen Berlin, Gemäldegalerie, einschließlich der Inventarnummer I, 1338 und der Katalognummer 1190, sowie ein Restaurierungsetikett von 1936 von J. v. Danzas. Weitere Siegel umfassen das Königliche Schlösser Siegel von 1878 und ein Siegel des Directeur General du Musees d. France. Das Gemälde wird derzeit von den Staatlichen Museen zu Berlin, Gemäldegalerie, verwahrt, wobei die genaue Provenienzkette vor dem Eintritt in die Sammlung des Museums in den verfügbaren Quellen nicht vollständig detailliert ist. Mindestens fünfzehn Versionen dieser Szene sind bekannt, wobei die früheste in der National Gallery London zu finden ist und weitere Varianten in Sammlungen wie dem Germanischen Nationalmuseum, dem Statens Museum for Kunst in Kopenhagen, dem Musée des Arts Décoratifs, dem Metropolitan Museum of Art und der Burrell Collection in Glasgow.
Kontext
Lucas Cranach der Ältere war von 1504 bis zu seinem Tod Hofmaler der Kurfürsten von Sachsen, ansässig in Wittenberg, dem Herzen des aufkommenden protestantischen Glaubens. Er war ein enger Vertrauter Martin Luthers und schuf Holzschnittillustrationen für Luthers deutsche Bibel sowie Porträts des Reformationsführers. Das klassische Sujet dieses Gemäldes, entlehnt der griechischen Dichtung, steht in einer produktiven Spannung zu Cranachs reformatorischem Kontext. Die Veröffentlichung des Gedichts unter dem Namen Philipp Melanchthons, Luthers Mitstreiter, der den Philippismus begründete, fügt eine weitere Bedeutungsebene hinzu. Melanchthon entwickelte eine eigene Version von Luthers Lehren, und seine Bewegung wurde insbesondere in Dänemark von großer Bedeutung. Die moralisierende Inschrift auf dem Gemälde stimmt mit dem Misstrauen der Reformatoren gegenüber sinnlicher Lust überein, selbst wenn das Bild selbst in der Darstellung des weiblichen Akts schwelgt. Diese Dualität zwischen klassisch-humanistischer Gelehrsamkeit und protestantischer moralischer Strenge kennzeichnet einen Großteil von Cranachs mythologischem Œuvre. Das Werk wurde in der wissenschaftlichen Literatur diskutiert, darunter in Studien von Gunnar Heydenreich, Mark Evans und Pablo Pérez d'Ors, mit besonderem Augenmerk auf seine Stellung innerhalb von Cranachs Serie von Venus-und-Amor-Kompositionen und seine Schnittstelle mit der lutherischen Bildtheologie.
Nachwirkung
Das Motiv Venus mit Amor, der Honig stiehlt, wurde zu einem der am häufigsten wiederholten Sujets von Cranach, wobei der Künstler und seine Werkstatt ab etwa 1525 rund dreißig Varianten schufen. Diese produktive Wiederholung zeugt von der Beliebtheit des Sujets unter Auftraggebern und seiner kommerziellen Tragfähigkeit. Die Serie demonstriert die Fähigkeit des Werkstattsystems zur effizienten Produktion begehrter Bildmotive. Das Nachleben des Themas reicht über Cranachs eigenes Schaffen hinaus: Eine Kopie nach dem Künstler, vom Metropolitan Museum of Art auf den Zeitraum zwischen 1580 und 1620 datiert, deutet auf eine anhaltende Nachfrage nach der Komposition Jahrzehnte nach Cranachs Tod hin. Diese Kopie, heute in der Robert Lehman Collection des Metropolitan Museum, reproduziert die Inschrift und das Insignium der geflügelten Schlange (mit erhobenen Flügeln und dem vom Kopisten hinzugefügten Datum 1530), was darauf hindeutet, dass die moralisierende Botschaft integraler Bestandteil der Anziehungskraft des Werks blieb. Die Überführung des Gemäldes von der Kunstkammer im Schloss Gottorf in die Königliche Sammlung im Jahr 1759, als Teil einer größeren Gruppe, die die größte Cranach-Sammlung außerhalb des deutschsprachigen Raums bildete, zeugt von der frühen institutionellen Anerkennung von Cranachs Bedeutung. Heute bleibt die Berliner Version ein Schlüsselwerk zum Verständnis der Schnittstelle zwischen klassischer Gelehrsamkeit, reformatorischer Kultur und der Ökonomie künstlerischer Produktion im Deutschland des sechzehnten Jahrhunderts.
Artist & collection
Artist
Lucas Cranach the Elder was a German Renaissance painter and printmaker in woodcut and engraving.















